Würzburg | Beitrag der Redaktion | 24. März 2026
Persönlichkeiten aus Würzburg: Die Freiwilligenagentur

Würzburg ohne freiwilliges Engagement? Kaum vorstellbar. Hinter den Kulissen unserer Stadt sorgen hunderte Menschen dafür, dass das gesellschaftliche Gefüge stabil bleibt – von der Feuerwehr bis zum mobilen Bücherdienst. Doch wie findet man eigentlich das Projekt, das wirklich zu einem passt? Wir haben bei der Freiwilligenagentur Würzburg nachgefragt, wie die Beratung funktioniert, welche überraschenden Aufgaben auf Helfer warten und warum der erste Schritt oft viel unkomplizierter ist, als man denkt.

Aller Anfang ist leicht: Wie helft ihr jemandem, der zwar Zeit, aber noch keinen Plan hat?

Viele Menschen wollen helfen, wissen aber nicht wo. Wie genau unterstützt ihr jemanden, der zu Euch kommt und sagt: „Ich habe zwei Stunden Zeit pro Woche, weiß aber nicht, was ich tun soll?“

Wir bieten Menschen, die sich engagieren wollen an, sich zunächst über unsere Ehrenamtsbörse unter www.freiwilligenagentur-wuerzburg.de/ehrenamtsboerse zu informieren. Dort erhalten sie einen Überblick der Angebote in Würzburg. Die Webseite unserer Freiwilligenagentur ermöglicht eine gute Suchfunktion, um die mehr als 300 Angebote zu filtern. Im nächsten Schritt bzw. auch direkt, wenn kein digitaler Zugang möglich oder gewünscht ist, bieten wir ein Beratungsgespräch zum ehrenamtlichen Engagement an.

Dabei überlegen wir gemeinsam, welche Angebote und Einrichtungen in Würzburg zu seinen bzw. ihren Interessen und Vorstellungen – auch bezüglich Zeit und Ort passen könnten.

  • Wir fragen: Haben sie schon eine Idee oder Vorstellung davon, was sie tun wollen?
  • Wir fragen: Haben sie Hobbies oder bestimmte Kenntnisse, die sie einbringen können?
  • Wir fragen auch einige weitere Sachen ab, die dabei helfen, möglichst passende Engagements zu finden.

Im Laufe des Gesprächs schlagen wir dann fünf bis acht Angebote vor, die auch hinsichtlich des Zeitaufwandes und Ortes passen könnten. Da wir die Angebote und die dahinterstehenden Organisationen kennen, können wir gut erklären, was Ehrenamtliche dort tun und welche Erwartungen und Rahmenbedingungen es gibt.  

Wir geben dann alle Infos und Kontaktdaten zu den passenden Organisationen weiter. Die Person entscheidet dann, zu welcher Initiative oder Organisation sie Kontakt aufnehmen möchte. Wenn wir in dem Gespräch sogenannte Zugangsschwellen erkennen, unterstützen wir die Menschen auch darüber hinaus, indem wir für sie Kontakt zu den Organisationen aufnehmen und/ oder sie zu dem jeweiligen Engagement begleiten. Zugangsschwellen können sein: körperliche Einschränkungen, mangelnde Sprachkenntnisse, psychische Erkrankung in der Vorgeschichte, soziale Hindernisse.

Von JVA bis THW: Welche „überraschenden“ Jobs habt ihr im Angebot?

Wenn man an Ehrenamt denkt, fallen einem oft Seniorenheime oder Sportvereine ein. Welche eher „ungewöhnlichen“ oder überraschenden Möglichkeiten gibt es aktuell in Würzburg?

Für uns gibt es eigentlich keine ungewöhnlichen Tätigkeiten, denn Engagement kann überall stattfinden und ist total vielfältig. Das sagen wir Menschen, die zu uns zur Beratung kommen auch immer wieder und die sind dann oft erstaunt, was es alles gibt! Hier daher ein paar Beispiele, was im Allgemeinen vielleicht eher untypsich ist:

  • Malen mit Gefangenen in der JVA
  • Selbsthilfegruppen bei der Gründung begleiten und unterstützen
  • Gemeinsam Freiflächen im Stadtgebiet bepflanzen und pflegen
  • Kochen bzw. Verpflegung bereitstellen für Übungstage beim THW
  • Mobiler Bücherdienst im Krankenhaus
  • Teamer*in werden für Training gewaltfreie Konfliktbearbeitung in Schulklassen

Keine Lust auf ewige Bindung? Gibt es bei euch auch Projekte für Kurzentschlossene?

Ein großes Hindernis ist oft die Angst, sich zu lange binden zu müssen. Findet man bei eurer Freiwilligenagentur auch punktuelle Einsätze oder Projekt-Ehrenämter?

Ja, das gibt es auch und da hat sich sehr viel in den letzten Jahren verändert, nicht nur auf Seiten der Menschen die sich engagieren wollen, sondern auch bei den Angeboten. Vor allem vor Weihnachten erreichen uns mittlerweile viele Gesuche nach kurzfristiger Unterstützung oder zu saisonalen Aktionen, z.B. in Gärten von Wohnanlagen für Menschen mit Behinderungen oder Seniorenheimen. Aber auch darüber hinaus finden einige Aktions- oder Projekttage statt, bei denen Hilfe gesucht wird. Diese sind dann auch in der Ehrenamtsbörse zu finden (z.B. diverse Stadtteilfeste, Hirntumortage, …).

Geben und Nehmen: Was beobachtet Ihr bei den Menschen, die durch Euch ein Ehrenamt gefunden haben?

Wir reden oft darüber, was Freiwillige für die Gesellschaft tun. Aber was bekommen sie eigentlich zurück?

Sehr vieles! Hier ein Beispiel: Erst vor kurzem berichtete uns eine junge Studentin, wie bereichernd sie ihr Engagement in unserem Projekt GO ALONG findet. Sie kam vor ca. einem Jahr zu uns, um zu helfen, weil sie noch etwas Zeit neben dem Studium habe und jemandem ihre Unterstützung anbieten wolle. Sie entschied, als ehrenamtliche Wegbegleiterin zur Integration mit einem Mädchen Deutsch zu lernen. Die Ehrenamtliche sagte, dass die wöchentlichen Treffen ihr nicht nur große Freude bereiten, sie seien auch eine Bereicherung ihres Alltags als Studentin.

Weitere typische Rückmeldungen sind:

  • Menschen empfinden die Tätigkeit als sinnstiftend für ihr persönliches Leben.
  • Menschen haben Spaß/Freude daran und gehen gerne hin.
  • Menschen treffen andere Menschen, schließen neue Kontakte und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil.
  • Menschen machen die Erfahrung wirksam zu sein gegen empfundene Mängel in der Gesellschaft
  • Menschen erleben umfassenden Anerkennung für ihr Engagement – seitens der Stelle, bei der sie tätig sind, sowie durch die Stadt Würzburg (zum Beispiel Ehrenamtsfest, Ehrenamtskarte)

Wo brennt es gerade? In welchen Bereichen sucht Würzburg aktuell am dringendsten Unterstützung?

Gibt es Bereiche, die momentan besonders unterbesetzt sind oder in denen Ihr regelmäßig „Hilferufe“ von Organisationen erhaltet?

Durch das Ehrenamt werden in wesentlichen Teilen unsere Gesellschaft notwendige Systeme aufrechterhalten, ohne Ehrenamtliche in der freiwilligen Feuerwehr, beim THW oder auch in den sozialen Diensten, Sportvereinen wäre vieles nicht möglich, was wir sehr missen würden. Hier besteht großer Bedarf an Helfer*innen. Darüber hinaus entsteht immer da ein Mangel, wo Ehrenamtliche in Folge der Veränderung ihrer Lebensumstände, Alter oder Krankheit die Tätigkeit beenden wollen oder müssen. Das kann alles sehr kurzfristig geschehen, sodass uns immer wieder „Hilferufe“ aus Organisationen erreichen.

Ganz aktuell suchen:

  • der Katholikentag in verschiedenen Bereichen
  • die Rettungshundestaffel des ASB
  • die neu zu besetzenden Beiräte der Stadt Würzburg – Seniorenvertretung, Behindertenbeirat und Ausländer- und Integrationsbeirat

Ein weiterer wichtiger Kontext ist der Bereich der Integration. Hier wird Unterstützung in der Orientierung im Arbeitsmarkt und Ausbildungssystem gesucht, sowie für die Kinderbetreuung in den Gemeinschaftsunterkünften.

Das „Was wäre wenn“-Szenario: Was würde in Würzburg passieren, wenn morgen alle Freiwilligen die Arbeit niederlegen?

Stellen wir uns unsere Stadt für einen Moment ohne jedes Engagement vor – wie drastisch würde sich unser Alltag verändern?

Ohne die Freiwilligen Feuerwehren gäbe es vielerorts keinen Erstschutz mehr im Brandfall. Zahlreiche Vereine, die das kulturelle und soziale Leben der Stadt prägen, müssten ihre Arbeit einstellen. Selbst grundlegende Abläufe wie das sonntägliche Öffnen der Kirchen oder die demokratische Mitgestaltung im Stadtrat wären nicht mehr möglich. Ein großer Teil unseres alltäglichen Miteinanders würde schlicht zusammenbrechen.

Auch im Stadtbild wäre der Ausfall des Ehrenamts sofort sichtbar: Menschen in schwierigen Lebenssituationen hätten keine geschützten Orte mehr zum Aufatmen – weder Bahnhofsmission noch Wärmestube wären geöffnet. Sozial benachteiligte Jugendliche verlören wichtige Anlaufstellen, Halt und Perspektiven.

Die Tafel, die viele Haushalte entlastet, könnte keine Lebensmittel mehr ausgeben. Die Folge: mehr Bedürftigkeit auf offener Straße.

Geflüchtete und Migrant*innen wären ohne Sprach- und Integrationsangebote plötzlich auf sich allein gestellt und müssten sich stärker nur innerhalb ihrer eigenen Communitys bewegen – ein Nährboden für echte Parallelgesellschaften.

Für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung würden wichtige Besuchsdienste, Begleitungen oder Freizeitangebote wegfallen. Viele von ihnen wären wieder isoliert, und Angehörige müssten noch mehr Zeit und Kraft aufbringen, wodurch sie dem Arbeitsmarkt fehlten.

Nicht zuletzt wären Menschen in seelischen Krisen ohne Ansprechpartner*innen aus Beratungsstellen, Krisendiensten oder Selbsthilfegruppen. Sie wären ihren Sorgen und Ängsten stärker ausgeliefert – mit Auswirkungen auf das gesamte soziale Gefüge der Stadt.

Kurz gesagt: Würzburg ohne Freiwillige wäre nicht das Würzburg, das wir kennen. Unser gesellschaftliches Fundament würde bröckeln – und sichtbar werden, wie unverzichtbar bürgerschaftliches Engagement in wirklich allen Lebensbereichen ist!

Euer Insider-Tipp: Was ratet Ihr jemandem, der noch zögert, den ersten Schritt zu machen?

Wenn jemand diesen Blogbeitrag liest und noch unsicher ist: Was ist Euer wichtigster Rat für den allerersten Klick oder Anruf?

Der erste Schritt ins freiwillige Engagement muss gar nicht groß sein – er darf ganz klein, neugierig und entspannt beginnen. Am wichtigsten ist: Hört in euch hinein.
Was macht euch Freude? Wofür würdet ihr gerne ein bisschen Zeit schenken? Oft entsteht Engagement genau dort, wo das eigene Herz einen kleinen Impuls gibt.

Schaut euch in Ruhe auf unserer Ehrenamtsbörse um: Freiwilligenagentur Würzburg – Ehrenamtsbörse – online, telefonisch oder persönlich. Schreibt uns eine kurze Mail oder ruft einfach an. Gemeinsam überlegen wir, welches Engagement zu euren Interessen, den zeitlichen Möglichkeiten und zu eurer Lebenssituation passt. Es gibt keine falschen Fragen und keinen Druck.

Und manchmal liegt die passende Gelegenheit direkt vor der Haustür: Gibt es in eurem Viertel vielleicht eine Nachbarschaftshilfe, einen kleinen Verein oder eine Initiative, die Unterstützung braucht? Ein kurzer Blick ins eigene Umfeld zeigt oft schon, wo Menschen sich über ein neues Gesicht freuen würden.

Unser wichtigster Rat: Fangt ganz entspannt an. Probiert etwas aus. Engagement beginnt oft mit einem einzigen freundlichen Schritt – und wächst dann ganz von selbst.