Du denkst bei Fine Dining eher an Paris, München oder Hamburg? Zeit, umzudenken. Auch bei uns in und um Würzburg hat sich in den letzten Jahren eine kleine, aber feine Gourmet-Szene entwickelt – mehrere Restaurants aus der Region sind im Guide Michelin gelistet, dazu kommen Auszeichnungen von Falstaff und dem Feinschmecker. Wir haben uns durch drei davon gekostet: Weinhaus Dehner, Weinforum und Baron.ess. Wir waren selbst vor Ort, haben die Menüs probiert und dabei eine echte Reise für die Sinne erlebt. Hier kommen unsere Eindrücke.
Was bedeutet eigentlich Fine Dining?
Fine Dining steht für gehobene Küche mit Anspruch: hochwertige, oft regionale und saisonale Produkte, durchdachte Menüfolgen mit mehreren Gängen und ein Serviceerlebnis, bei dem der Genuss im Vordergrund steht – ganz ohne Hektik. Immer beliebter wird dabei das sogenannte Casual Fine Dining: Sterne-Niveau auf dem Teller, aber ohne steife Atmosphäre. Genau diese Mischung findest du in allen drei Restaurants, die wir dir heute vorstellen.
Weinhaus Dehner by Allegretta in Ochsenfurt
Seit zwei Jahren verwöhnt Domenico Allegretta seine Gäste im Weinhaus Dehner in der Ochsenfurter Altstadt – und das mit spürbarem Erfolg: Das Restaurant wird bereits im Michelin Guide erwähnt und wurde von Falstaff mit zwei Gabeln sowie von Feinschmecker, Henris und Gusto ausgezeichnet. Allegretta steht selbst am Herd, seine Frau kümmert sich um den Service.
Zwei bis drei Gerichte der Karte wechseln alle zwei bis drei Wochen, gekocht wird konsequent saisonal und regional – Tiefkühlware kommt hier nicht auf den Teller. Besonders beeindruckend: Es wird jeweils das komplette Produkt verarbeitet, aus Kürbisresten wird zum Beispiel ein feines Püree. Dazu passt die Weinkarte mit 69 fränkischen Weinen, die etwa alle halbe Jahre wechselt. Am liebsten entscheiden sich die Gäste (rund 80 Prozent) für ein 3- bis 5-Gänge-Menü.



Wir waren selbst vor Ort – und wurden auf eine echte Geschmacksreise geschickt. Besonders in Erinnerung geblieben ist uns das Secreto vom Schwein (Bio Hof May) mit Roter Bete, Mandel, Himbeere, Estragon, Ricotta und Sardelle – diese Balance aus erdig, süßlich und würzig hat uns sprachlos gemacht. Auch der Catch of the Day mit Kürbis, Beluga-Linse, Orange und Kokos-Balsamico war ein echtes Highlight. Dazwischen: Ziegenfrischkäse mit Feige und Fenchel, eine herzhafte Brioche mit Pilzen und Mirabelle – und zum Abschluss ein Kaffee-Dessert mit Mascarpone, Zwetschge und Eierlikör, das Kindheitserinnerungen weckt. Ein Gang folgte dem nächsten, und wir haben irgendwann aufgehört, auf die Uhr zu schauen.
Übrigens: Das Weinhaus Dehner sucht aktuell dringend Verstärkung im Team – falls du selbst Lust auf Gourmet-Küche hast, lohnt sich eine Nachfrage direkt vor Ort.
Weinforum in Eibelstadt
Im Weinforum in Eibelstadt trifft Franken auf Frankreich. Küchenchef Rainer Trautenbach steht für Casual Fine Dining mit klarer regionaler Handschrift: Kräuter stammen aus dem eigenen Zuchtschrank und von wilden Wiesen, Fleisch- und Fischspezialitäten reifen in den hauseigenen Dry Agern. Verarbeitet werden ausschließlich zertifizierte, lokale und biologische Zutaten. Das Weinforum ist im Guide Michelin gelistet und wurde von Falstaff zudem als eines der besten Restaurants seiner Preisklasse in Nordbayern ausgezeichnet.
Ein echtes Highlight für Weinliebhaber ist die Vinothek mit 120 ausgewählten Weinen der besten Winzer aus der Weinregion Mainfranken sowie einer großen Auswahl französischer Tropfen. Der Weinkeller steht allen Gästen offen – wir haben es uns nicht nehmen lassen und vor dem Essen selbst einen Aperitif dort unten genossen.



Auch hier haben wir uns durch das Menü gekostet und ein Gericht ist uns besonders im Gedächtnis geblieben: das Zweierlei vom Kalb, Schulter & Kopf, mit wildem Brokkoli, Kräutergnocchi, Tomate und Schalotte. Zwei völlig unterschiedliche Texturen vom gleichen Tier, kombiniert mit erdig-würzigen Gnocchi – Handwerk, das man schmeckt. Als Einstieg gab’s ein frisches Carpaccio & Tartar sowie den Schinken mit Olivenöl und frischem, unheimlich leckeren Brot, was direkt Vorfreude auf den Hauptgang gemacht hat.
Baron.ess am Brückenbaron in Sonderhofen
Schon die Location hat einen echten Wow-Effekt: Das Baron.ess liegt auf dem Gelände des Brückenbarons, das Gebäude ist verglast und scheint förmlich über dem Teich zu schweben. Auch das Baron.ess ist im Guide Michelin vertreten – dort wird es sogar mit dem Grünen Michelin-Stern für besonders nachhaltige Gastronomie geführt. Besonders zum Abendessen taucht die untergehende Sonne den Raum in ein warmes Licht. Die Plätze sind bewusst begrenzt – so bleibt die Atmosphäre jederzeit besonders und persönlich.
Was das Baron.ess von anderen Gourmet-Restaurants in der Region unterscheidet: Das Menü wird individuell auf die Gästeanzahl abgestimmt, schon bei der Reservierung wird nach veganen oder vegetarischen Wünschen gefragt, die Zutaten werden anschließend gezielt eingekauft. Ein komplettes Menü besteht aus 11 Gängen, dazu lässt sich eine Weinbegleitung buchen. Auf der Menükarte stehen bewusst nur Schlagworte, serviert wird jedes Gericht direkt von der Küche mit Erklärung zu den Zutaten – man hört die Geschichte, bevor man den Gang probiert, und schmeckt danach Details, die man sonst übersehen hätte.



11 Gänge bedeuten 11 kleine Geschmacksexplosionen. Besonders hängen geblieben ist uns das selbst gebackene Sauerteigbrot von Souschef Ari (gelernter Bäcker), serviert mit hauseigenem schwarzem Knoblauch, der 60 Tage bei 60 Grad karamellisiert wird – eine unglaubliche, fast süßlich-malzige Tiefe. Genauso spannend: die „schwarze Nuss“, eine unreife, samt grüner Schale eingelegte Walnuss – erdig, leicht bitter, komplex. Ein Abend, der wirklich alle Sinne angesprochen hat.
Fun Fact: Das Baron.ess hat vor einigen Jahren die Show „Mein Lokal, Dein Lokal“ gewonnen – die Folge findest du auf Disney+.
Fine Dining rund um Würzburg: Für wen lohnt sich der Besuch?
Ob du auf der Suche nach einem besonderen Anlass, einem romantischen Date-Dinner oder einfach mal nach einer kulinarischen Auszeit vom Alltag bist – die Gourmet-Restaurants rund um Würzburg bieten für jeden Anlass die passende Kulisse. Neben unseren drei Favoriten gibt es noch weitere Adressen in der Region, die im Guide Michelin gelistet sind – ein Grund mehr, die Gourmet-Szene rund um Würzburg weiter zu erkunden. Ein Tipp von uns: Reserviere rechtzeitig, gerade beim Restaurant Baron.ess mit seinen limitierten Plätzen und dem individuell abgestimmten Menü sind Tische schnell vergeben.


